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Europameisterin in Göteborg 1985

Die diesjährige Saison ist ein wenig tückisch für mich. Nach dem grandiosen Vorjahr, fällt mir das Training in diesem Jahr nicht so leicht. Im Sommer lasse ich es ein wenig “schleifen” und werde auch ein bisschen fraulicher um die Hüften.
Nichts desto trotz überwiegt mein Wunsch, meinen Titel nach 1983 und 1984 bei den Europameisterschaften in Göteborg im Eiskunstlauf verteidigen zu wollen.

Die Entdeckung der spanischen Klänge

Da es in der damaligen Zeit mit unter üblich war, über zwei Saison die Kürmusik und damit auch das Kostüm zu behalten, laufe ich dieses Jahr nochmals zu Gershwins Klängen “Girl Crazy” und der “Mona Lisa”. Da mir diese Kür schon letztes Jahr in der Olympischen Saison Glück brachte und wir das Jahr nutzten, um noch mehr daran zu arbeiten, habe ich ein gutes Gefühl.

Für das Kurzprogramm wählt Frau Müller erstmals spanische Klänge für mich aus. So entsteht “Flamenco Phantasie” und gemeinsam mit meinem langjährigen Ballettmeister und Choreografen Rudi Suchy entdecke ich für mich, dass die spanische, temperamentvolle Musik meinem Wesen sehr gut entspricht.
Mir macht das Kurzprogramm besonders viel Freude, weil ich das Gefühl habe, nach all den anderen verschiedenartigen Kurzprogrammen, wie “Muppet Show”, ”Startreck”, “Mozart Medley” und Puzstamädel, ich noch eine andere Seite von mir zeigen kann: Nämlich mehr Charakter, mehr Feuer und ja, mehr Fraulichkeit in die Choreografie zu zaubern.
Drei Jahre später wird mir meine “Carmen” Kür bei den Olympischen Spielen in Calgary gegen Debi Thomas mit zum Sieg verhelfen und die Leidenschaft der Spanischen Musik begleitet mich noch bis heute.

Bei der diesjährigen Pflicht gewinne ich wieder, aber leider unterläuft mir in meinem Kurzprogramm ein verhängnisvoller Patzer, Kombination nur doppelt und ich belege in diesem Programmteil den 4. Platz. Kira Iwanowa aus der damaligen UDSSR und Claudia Leistner aus der BRD sind meine stärksten Konkurrentinnen und versuchen mir meinen Titel abspenstig zu machen. Da Claudia in der letzten Saison bedauerlicherweise von Verletzungen geplagt war, legt sie eine erstaunlich meisterliche Leistung auf `s Eis und macht es mir nicht leicht. Ãœber viele Jahre gehört sie in Europa zu meinen stärksten Konkurrentinnen.
Da ich aber mit dem Gewinn der Pflicht eine optimale Ausgangsposition habe lässt sich der Fehler im Kurzprogramm verschmerzen und ich gewinne zum Glück auch die Kür und werde damit zum 3. Mal hintereinander Europameisterin.

Guido Dobbratz schreibt in der “Piourette”: “ Kati und ihre Trainerin hatten nochmals alle Erinnerungen an die goldene olympische Saison heraufbeschworen , nochmals das gleiche attraktive Kostüm übergezogen, hatte die gleiche Musik benützt und auf die erfolgreiche Mischung von Sportlichkeit und Grazie gesetzt. Die Rechnung ging auf, aber es bedurfte schon jenes Quentchen Glücks, das nur den Tüchtigsten hold sein soll.”

Oh, wie Recht er hat mit dem Stückchen Glück und ich verspreche, ich werde bis zur WM im März noch fleißiger trainieren!

Copyright Katarina Witt
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