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Katarina Witt auf den Brettern des Theaters

Nachdem ich nun schon ein wenig Erfahrungen im Bereich von Film und Fernsehen gesammelt habe, betrete ich im “Jedermann” erstmalig auch die Bühne des Theaters und stelle mich der neuen Herausforderung. Logischerweise bin ich aufgeregt bis zum Umfallen und meistere glücklicherweise mein Debüt. Yippie!

Die “Jedermann-Festspiele” in Berlin 2009

Brigitte Grothum inszeniert Hugo von Hofmannstahls “Jedermann” im Berliner Dom. Der “Jedermann” wird von Rüdiger Joswig gespielt, Robert Kreis mimt den “Mammon”, Herbert Feuerstein den “Teufel” und der “Tod” wird von Günter Junghans dargestellt. Ursula Karusseit ist die “Mutter”, Deborah Weigert spielt die “Werke” und ihre Mama Brigitte Grothum den “Glauben”. Ich werde die “Buhlschaft”.
In Hofmannsthals moralisierendem Allegorien-Stück ist der reiche und kaltherzige “Jedermann” vom Tod aufgefordert, die letzte Reise anzutreten. Weder Freunde, noch Verwandte oder sein Besitz wollen ihm dahin folgen. Völlig verzweifelt wird ihm erst von seinen guten Taten Beistand gewährt. In Begleitung des Glaubens und der guten Werke kann er letztlich vor Gottes Richterstuhl treten.

Katarina Witt als die Buhlschaft im “Jedermann”

Als im Frühling 2009 die Anfrage von Brigitte Grothum in mein Mailfach eingeflogen kommt, ob ich mir vorstellen könnte, die “Buhlschaft” im “Jedermann” zu spielen, denke ich: ja klar, warum denn nicht, super Idee, aber bitte schön, das schaue ich mir diesen Herbst im Dom an und entscheide anschließend, ob ich mir das auch WIRKLICH zutraue. Meine Managerin und auch immer vertrauenswürdige, ehrliche Beraterin Elisabeth meint, los komm, wir treffen Frau Grothum persönlich und dann entscheidest Du danach. Zu einem Treffen kommen wir zu dritt in einem Berliner Hotel zusammen. Brigitte Grothum erinnert mich sofort an meine Trainerin Frau Müller, der ich jahrelang bedingungslos vertraute und ich sehe in ihr dieselbe Begeisterung, die gleiche Leidenschaft für ihren Beruf und auch die Begierde, mir Neues beibringen zu wollen. Sie versteht meine Bedenken, dass ich versagen könnte und davor ein wenig Angst habe. Sie zerstreut all dies. Auch Elisabeth traut mir die neue Aufgabe zu und versetzt mir den richtigen Stoß Mut. Also fasse ich Vertrauen zu beiden und sage spontan zu. Warum sollte ich jetzt auch noch ein Jahr warten?
Genau vor einem Jahr hatte ich meinen letzten Auftritt als Eiskunstläuferin. Nie hätte ich so lange auf den Kufen gestanden, wenn ich nicht so viel Freude und Erfüllung bei meinen Auftritten vor Publikum empfunden hätte. Ich muss gestehen, ein wenig treibt mich auch die Sehnsucht auf die “Bühne”. Die Zuschauer, das Adrenalin und das monatelanges Vorbereiten auf die Auftritte fehlen mir.
Es wird ein arbeitsreicher, intensiver und erlebnisreicher Sommer. Bei Brigitte bekomme ich Unterricht und wir haben gemeinsam viel Spaß dabei. Ich lerne gern, merke wie ich anfange meine Rolle auszufüllen und freue mich all die anderen Schauspieler zu treffen um auch von ihnen zu lernen. Schließlich wandle ich ja auf den Spuren von Iris Berben und Sonja Kirchberger. Ich weiß, dass die “Buhlschaft” eine kleine, aber feine, Rolle ist und die Besetzung immer für unglaubliche Aufmerksamkeit sorgt. Ich nutze den Sommer für Konzerte, Theater und Komödien. Schaue und amüsiere mich über Katharina Thalbachs Inszenierung des Shakespeare-Stücks “Wie es euch gefällt” und beschäftige mich mit den großen Schriftstellern vergangener Zeiten.
Es ist ein Sommer voller Kunst und Kultur.
Die Proben, die Auftritte im Dom, es ist alles total abgefahren. Jedes Mal denke ich, wow, was für ein cooler Arbeitsplatz!
Das endlose Ãœben erinnert mich an meine Zeit des nicht endenden Trainings und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.
Der “Buhlschaft” versuche ich Fröhlichkeit und Leichtigkeit, statt Sinnlichkeit und Sex Appeal zu geben.
Am Ende macht mir die Zeit der Theaterauftritte so viel Spaß, von Tag zu Tag werde ich sicherer, fühle mich wohl in der großen bunten Truppe und muss eher aufpassen, nicht übermütig zu werden.
Die gefürchtete Premiere gelingt mir mit Bravour. Habe meinen gesamten Familien-, Freundes- und Geschäftspartner-Clan in den Dom eingeladen, um mir den Rücken zu stärken und fast alle, die meinen Eis-Abschied mit mir in der Max Schmeling Halle teilten, drückten mir nun hier zum Theaterdebüt und Neuanfang fest ihre Daumen. In meinem Auftritt spiele ich eine selbstbewusste “Buhlschaft”, tanze voller Lebensfreude auf dem Tisch, mache mir auch Sorgen um meinen “Jedermann”. Trotz meiner Liebe zu ihm renne ich laut schreiend davon und bekomme mächtigen Applaus vom Publikum. Ich erhalte überwiegend gute Kritiken in den Zeitungen und Zeitschriften und mir fällt ein großer Stein vom Herzen. Ok, einer Dame von der “Welt” habe ich so gar nicht gefallen, aber man bzw. Frau kann es nie allen recht machen.
Ich finde außerdem, statt einer “Premiere” bei der man teuflisch aufgeregt, alles viel zu neu und noch nicht richtig eingespielt ist, sollte es eine “Finiere” geben. Man ist endlich nicht mehr so nervös und aufgewühlt. Alle wären nur halb so traurig, dass die schöne Zeit zu Ende geht und man feiert mit allen gemeinsam eine richtige “Finerienparty”. Der “Jedermann” ist eine wunderbare Erfahrung! Ich mache nebenbei allerlei Blödsinn, filme mit meinem i-Phone backstage und den Beifall des letzten Auftritts auf der Bühne mit, stolpere allabendlich über meinen allzu langen Rock, lass mich in aller Öffentlichkeit am Busen vom” Jedermann” küssen, verwöhne die Mädels Ursula, Brigitte und Deborah mit dem selbstgebackenen Apfel Kuchen meines Papas, schaue bewundernd den anderen Schauspielern zu, hüpfe mit dem “Tod” beim Finale um die Wette und verbeuge mich am Ende immer wie eine Eiskunstläuferin.
Mein kultureller Sommer endet schließlich im Herbst mit einer super Kritik auf der Kulturseite des “Tagesspiegels”.
Na, der Weg hat sich gelohnt.

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