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"Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür”

Ich schreibe im Alter von 28 Jahren meine Biografie. Ich finde ich bin viel zu jung. Fühle mich aber gezwungen mein Leben meine Geschichte meine Vergangenheit selbst erzählen zu wollen.
Erzählen zu müssen.
1993 werde ich von einem Bürgerrechtler in aller Öffentlichkeit beschuldigt, für die Staatssicherheit gearbeitet und Freunde verraten zu haben. Diese Lüge und Anschuldigung will ich nicht auf mir sitzen lassen. Deshalb nehme ich Einsicht in meine Akten und damit in meine Kindheit und Jugend in der DDR.
Zumindest in das, was da Schwarz auf Weiß auf mehr als 3.000 Seiten über mich geschrieben steht.
Ich gewinne den presserechtlichen Prozess. Aber es erschreckt mich, mit welcher Leichtigkeit und Unverfrorenheit fremde Menschen mit dem Finger auf einen zeigen und ungeteilte Aufmerksamkeit dafür bekommen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Es zeigt mir die Schattenseiten des prominent seins.
Man wird zur Projektionsfläche für alle möglichen Leute, die einen noch nicht einmal persönlich kennen.

Zwischen Privilegien und Verzicht

Mit der Akteneinsicht stelle ich fest, dass ich schon als siebenjährige Eislaufschülerin ins Visier der Staatssicherheit gelange. Jahrelang werde ich “die W” als OV “Flop” beobachtet, bespitzelt und manipuliert. Ich nehme die schlimmen Vorwürfe jener Tage als Anlass zu einem Blick zurück. Es wird ein Rückblick mit bisher geheimen Akten. In meiner Biografie ziehe ich die Zwischenbilanz meines Lebens als Eiskunstläuferin. Ich erzähle offen von meinem Weg zum Erfolg im Sport, von den so genannten Privilegien, die dieser mir einbrachte, und den Preis, der dafür zu zahlen war: die Ãœberwachung und Nachstellung bis ins Privateste. Es sind Licht- und Schattenseiten eines Stücks deutscher Vergangenheit.

Mein Leben als Eiskunstläuferin

Meine Biografie entsteht im gleichen Jahr, in dem ich mich nochmals für die Olympischen Spiele
in Lillehammer 1994
qualifizieren möchte.
Die Vorbereitungen sind kompliziert genug. Wenige trauen mir eine Teilnahme zu. Am liebsten würde ich mich voll und ganz auf das Training konzentrieren, doch diese Vorwürfe stehen im Raum und ich sehe mich gezwungen, mit meiner Biografie in die Offensive zu gehen. Nun hasse ich aber halbe Sachen.
So sitze ich den Grossteil des Sommers mit Edgar Fuchs, dem Ghostwriter, bei mir im Garten und erzähle aus meiner Vergangenheit. Ich möchte nicht wissen, wie oft er Reißaus nehmen wollte, müde von meinen Erzählungen über Eislaufkostümchen, meine Gewichtsprobleme in der Vergangenheit, die vielen anstrengenden Trainingsstunden mit meiner Trainerin Frau Müller, Liebeskummer und Jungmädchenkram.
Mir macht der Blick in die Vergangenheit auch Freude, trotz der erschreckenden Erkenntnis über die Stasi-Akten.
Es entsteht ein Buch, in dem ich mich für nichts rechtfertige, sondern dem Leser die Chance gebe, die wirkliche Katarina kennenzulernen.