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Katarina Witt als Eiskunstlauf-Expertin

Neben all meinen Eis Shows, dem täglichen Training und zahllosen Verpflichtungen, werde ich ziemlich früh als Eiskunstlauf-Expertin für die verschiedensten Fernsehsender angefragt. Bei den amerikanischen TV Sendern ist es schon länger Tradition ihre Sportler die an den Wettkämpfen nicht mehr teilnehmen als Experten miteinzubinden und auch die deutschen Sender setzen mehr und mehr ihre Athleten ein.

Leidenschaft und Prädestination

Da ich von Kindesbeinen an für das Eiskunstlaufen lebe, es einatme und jahrelang als kleines Mädchen von den Siegertreppchen träume, ist mir das Eiskunstlaufen so vertraut geworden und für mich natürlich “die schönste Sportart der Welt”. Die TV-Sender arbeiten sehr gern mit Athleten zusammen, weil diese ganz genau dem Fernsehzuschauer die Welt des Sportlers, des endlosen Trainings, der kaum auszuhaltenden Wettkampfanspannung, vom Gefühl einer herben Niederlage oder dem Jubel des Triumphs glaubhaft erzählen können.

Weltmeisterschaften und Olympische Spiele

1991 sitze ich mit Headset für das ZDF bei den Weltmeisterschaften in München. In den USA werde ich durch den Mauerfall 1989 quasi zu einem Freiheitssymbol und gelte dort als lebender Beweis dafür, dass die Berliner Mauer weg ist.
Genau dies, die Popularität meiner Sportart in den USA und Kanada und auch weil ich in diesem Jahrzehnt das Eiskunstlaufen so sehr geprägt hatte, fragt mich CBS, ein amerikanischer Sender, erstmals an, bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville für sie am Mikrofon an der Bande zu stehen.
Puh, mittlerweile bin ich zwar schon ganz gut in Englisch, aber das hier ist dann doch eine andere Nummer. Deshalb nehme ich mir auf der vorhergehenden Schaulauftournee extra einen Englischtutor mit und büffele intensiv.
Es sind meine ersten Spiele ohne Schlittschuhe.
Neben Scott Hamilton, Tracy Wilson und Verne Lundquist, erlebe ich die Wettkämpfe hautnah mit, genieße die späten Abende in der französischen Pizzeria um die Ecke mit meinen Kollegen und sehe die Spiele aus einer neuen Perspektive.
Es ist interessant, die Spiele von Medienseite aus kennen zu lernen und auch noch live dabei zu sein, wenn das American Sweetheart Kristi Yamaguchim, meine Nachfolgerin und Olympiasiegerin wird. Ich gönne ihr diesen Erfolg von ganzem Herzen und lerne später auf jahrelangen gemeinsamen
Show-Tourneen Kristis Freundschaft zu schätzen. Ich nenne sie zum Spaß “meine amerikanische Schwester” und ich werde natürlich “ihre deutsche Schwester”.
Ich setze die Zusammenarbeit mit den Amerikanern bei NBC zu den Weltmeisterschaften in Prag 1993 fort.
Zu den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer, stehe ich als Olympionikin wieder selbst auf dem Eis und 1998 während der Spiele in Nagano bin ich in Paris zu den Dreharbeiten zum Hollywoodfilm "Ronin".
Seit den Weltmeisterschaften 2000 in Nizza, bin ich Eislauf-Expertin für die ARD und bin 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin und nun 2010 in Vancouver für den Sender im Einsatz. Man wird es mir kaum glauben, doch ich bin froh, bei Wettkämpfen schon längst nicht mehr der Mittelpunkt auf dem Eis und der Aufmerksamkeit von Milliarden Zuschauern zu sein. Weiß ich doch nur zu genau, wie es sich anfühlt, wenn einem als Medaillenanwärter die Erwartung eines ganzen Landes fast erdrückt und die gesamte Welt um einen herum zum Mikrokosmos schrumpft. Die alles entscheidenden vier Minuten deiner Kür erscheinen dir selbst so wichtig wie das Universum.
Die Stille bevor die Musik anfängt, der Moment eines Augenaufschlags, diese Winzigkeit einer Ewigkeit lässt Dich zum einsamsten Menschen vor den Augen aller werden. Und trotzdem weht jedes Mal ein Hauch von Wehmut bei mir mit, wenn ich aus sicherer Entfernung zuschaue.

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